Europagespräch – Verantwortung
für Mitmenschen übernehmen. Glaube darf nicht theoretisch
bleiben. Elisabeth Jeggle in Bad Urach zu Politik und Glauben.
BAD URACH. Zum zweiten Mal kam
am Sonntag die CDU-Europaabgeordnete Elisabeth Jeggle in die
katholische Kirchengemeinde St. Josef Bad Urach und
informierte über europapolitische Fragen, mit denen sie
täglich in Brüssel und Straßburg beschäftigt ist. Der Kontakt
kam durch eine Gemeindefahrt 2005 nach Brüssel zustande.
Jeggle sprach auch über den vieldiskutierten Gottesbezug im
europäischen Verfassungsvertrag.
Sie hob hervor, dass es sich
nicht um eine Verfassung für einen europäischen Staat handele,
sondern um einen „Zusammenschluss von 27 ganz
unterschiedlichen Staaten und einen Vertrag als
Arbeitsgrundlage für Zusammenarbeit.“ Der umstrittene
Gottesbezug im europäischen Verfassungsvertrag sei „ein Thema,
bei dem man nicht locker lassen sollte“, aber nur eine
theoretische Aussage zum Glauben nütze nichts, wenn nicht das
christliche Verständnis Grundlage der Politik in der Praxis
sei.
Sie wies auf die
Schwierigkeiten in der Umsetzung hin, die sich allein dadurch
ergeben, dass deutsche Abgeordnete bei ihrer Vereidigung den
Bezug zu Gott ablehnen. „Abgeordnete sind ein Spiegelbild der
Gesellschaft.“ Ein Aufbruch sei nur von innen möglich, wenn
Politiker sich so verhalten wie das christliche Menschenbild
es einfordert.
Dazu gehöre es auch andere
Religionen zu achten. „Nicht von anderen Religionen sondern
von mir fordern“, so Jeggle. In ihrem Arbeitsalltag sei sie
oft zu Toleranz und Verständnis aufgefordert, denn „Politik in
Schlagzeilen ist ganz einfach, in der Realität des einzelnen
Tages ist das anders. Da gilt es sich zu respektieren und zu
achten, nachzufragen statt nur abzulehnen“, so Jeggle, die
sich gegen eine weitere, zu schnelle Aufnahme neuer Staaten
aussprach. Erst müsse der Verfassungsvertrag geregelt sein.
Die EU habe den Raum des Friedens, der Freiheit und der
Sicherheit geschaffen. „Wir brauchen Europa für die nächste
Generation“, forderte sie auf nicht nur die eigenen Vorteile
zu sehen.
Das war auch Schwerpunkt der
Fastenpredigt von Pfarrer Norbert Blome, in der er Impulse
dazu gab über den „über alle Grenzen der Vernunft sprengenden
Konsum“ und „die mangelnde Bereitschaft etwas abgeben zu
können“ nachzudenken und zu überlegen wie nachfolgende
Generationen unser Verhalten beurteilen. „Wir nehmen uns mehr
von dem was uns die Erde und die Arbeit des Menschen gibt,
mehr als uns gut tut, im Gegenteil, wir bringen uns in Gefahr
daran zu ersticken“, sagte er auch mit Blick auf
Klimakatastrophe. Wirtschaftswachstum sei nicht die Lösung
aller Probleme, nur weil Geld in die Kassen komme.
Verantwortungsvoll mit der Erde und unseren Mitmenschen
umzugehen sei tagtäglich Aufgabe jedes Einzelnen.